„Tenmás“-Karten für den Bus: Top oder Flopp?
Bild-Quelle: Cabildo de Tenerife


Teneriffa • Die Inselregierung erinnert heute daran, dass die Aktion zum kostenlosen Erwerb der Tenmás-Karte am Donnerstag, 31. Mai, endet.

Ab diesem Zeitpunkt betrage der Preis zwei Euro, da er neben der IGIC und einer zweijährigen Garantie auch die Kosten für die Ausgabe, Verwaltung und Vermarktung enthalte.
Inselpräsident Carlos Alonso lobte die Kampagne. Mit mehr als 70.000 angeforderten und per Post zugestellten Karten sei sie ein Erfolg. Er betonte, dass das Engagement der Inselregierung für die Verbesserung der Mobilität ein weiterer Schritt bei der Verabschiedung konkreter Maßnahmen sei, die auf der Straße stattfinden. Man wolle die Dienstleistungen, die den Bürgern anboten werden, an die neue Zeit und an die modernste Technologie anpassen, damit die Benutzung des öffentlichen Verkehrs einfacher und komfortabler werde. Der öffentliche Verkehr sei eine der Lösungen für die Überlastung der Straßen und eine Ergänzung zur Verbesserung der Infrastrukturen.

Wie sieht die Realität aus?

Kostenlos verschickt wurden nur Karten, die keine Bestätigung brauchten. Karten mit Tarifen wie „joven“ (Jugend) oder „familia numerosa“ (kinderreich) mussten auch während der Kampagne in den Verkaufsstellen bestellt und damit auch bezahlt werden (übrigens alle hier erworbenen Karten). Die „Kinderreichen“ zahlen pro Karte (also pro Familienmitglied) 40 Euro. Eine Vorauszahlung, bei der der ermäßigte Tarif erst bei sehr vielen Kilometern zur Wirkung kommt. Bei einer Familie von fünf Personen (und das ist ja die Mindestanzahl für „kinderreich“) sind das schon mal schlappe 200 Euro.
Umstritten ist aber auch die tägliche Praxis. Man checkt beim Einsteigen in den Bus mit der Karte ein und beim Verlassen wieder aus. An dieser Stelle kann man auch sehen, wie hoch der Betrag auf der Karte noch ist. Hier beginnt aber das Problem: Wer das Auschecken vergisst, bezahlt die Route bis zur letzten Station. Und das scheint das moderne System zuweilen auch selbst zu entscheiden, denn die Reklamationen für falsche Abrechnungen reißen nicht ab. Auch werden Karten ohne Anlass gesperrt und der Karteninhaber kann den Bus nicht nutzen, wenn er nicht mit Bargeld bezahlt. Auch soll es regelmäßig passieren, dass der beim Aussteigen angezeigte Betrag von dem beim Einsteigen in einen weiterführenden Bus stark abweicht. Das führt natürlich zu massivem Ärger bei den Buskunden, wie heute an einer Station in Guaza (Gemeinde Arona). Hier musste die Guardia Civil schlichten, weil sich Fahrgäste betrogen fühlten.
Dass die Einführung eines neuen technischen Systems anfangs mit Fehlern behaftet sein kann, ist sicherlich verständlich. Aber dieser offensichtlich massive Ausfall und der damit verbundene Ärger bei den Fahrgästen sollte schnellstens behoben werden. Bereits jetzt wird verbreitet von einem „Abzock-System“ gesprochen. Damit kann das positive Anliegen, wie es durch den Inselpräsidenten dargestellt wurde, aber sicherlich nicht umgesetzt werden. Wem das Busfahren zu teuer wird oder wer sich dadurch betrogen fühlt, der steigt wieder auf das Auto um. Für das veraltete Bono-System, bei dem man bereits beim Einsteigen die Zahlungen vor Augen hatte und notfalls gleich reklamieren konnte, gibt es leider keine Tickets mehr.



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