Gorona del Viento

Die Stromerzeugung im Kraftwerkskomplex Gorona del Viento auf El Hierro kostet mehr als durch ein Dieselkraftwerk, verringert aber die Freisetzung von CO2 in die Atmosphäre und erzeugt weniger Treibhausgase …

Der Komplex Gorona del Viento gilt weltweit als Beispiel für die Erzeugung erneuerbarer Energien und erhielt im Jahr 2015 sogar von der französischen Regierung einen entsprechenden Preis. Das Prinzip beruht auf der Gewinnung von Elektroenergie durch Windkraft, wobei ein Teil für den Betrieb eines Pumpspeicherkraftwerkes genutzt wird. In Zeiten geringerer Stromabnahme wird Wasser aus einem tiefer gelegenen Becken in ein etwa 700 Meter höheres gepumpt und bei größerer Stromabnahme wieder in die vor dem unteren Becken befindlichen Turbinen zur Stromerzeugung geleitet. Damit dient es als eine Art Akkumulator, der sowohl unterschiedlichen Energieverbrauch ausgleichen kann als auch unterschiedliche Energieerzeugung durch wechselnden Wind.

Die Insel El Hierro produziert heute 46 Prozent des von ihr verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energien und kann bis zu 18 Tagen ohne ein Gramm herkömmlichen Kraftstoff zur Stromerzeugung existieren. Dazu kommt, dass allein 2017 etwa 2.700 Tonnen weniger CO2 in die Atmosphäre freigesetzt und damit 26 Prozent weniger Treibhausgase produziert wurden, als das bei Verwendung von Dieselmotoren der Fall gewesen wäre. Die restliche benötigte Energie wird aber derzeit noch auf herkömmliche Weise erzeugt, auch wenn bereits an einer neuen Wellenkraftanlage gearbeitet wird.

Nach Medienberichten hat sich jetzt eine Studie der Universität Las Palmas de Gran Canaria (ULPGC) mit der ökonomischen Seite beschäftigt. Die Autoren untersuchten demnach zwei volle Betriebsjahre Gorona del Viento (2016 und 2017), in denen es gegenüber den Vorjahren kaum Veränderungen gab, weder bei der Bevölkerung der Insel (10.679 Menschen), noch beim Gesamtstrombedarf (43,61 Gigawattstunden pro Jahr) oder bei den Preisen für die Brennstoffe des Heizkraftwerks Los Llanos, das El Hierro heute versorgt, wenn saubere Energie allein nicht ausreicht.

Das Fazit: Der in El Hierro erzeugte Strom kostete 630 Euro pro Megawattstunde im Jahr 2016 und 515 Euro pro Megawattstunde im Jahr 2017, während er in diesen zwei Jahren mit dem Wärmekraftwerk zur Deckung des gesamten Bedarfs der Insel nur 248 beziehungsweise 239 Euro pro Megawattstunde gekostet hätte. Das heißt, die Stromkosten haben sich um 154 Prozent (2016) beziehungsweise 115 Prozent (2017) erhöht. Allerdings haben die Verbraucher davon nichts gespürt, weil die höheren Kosten über den Durchschnittspreis des spanischen Festlands in die Rechnungen aller Spanier eingehen (wie es im Rest der Kanarischen Inseln und auch auf den Balearen, Ceuta und Melilla der Fall ist).

Die Forscher wiesen in ihrer Studie aber darauf hin, dass die Erzeugung des von El Hierro 2016 und 2017 benötigten Stroms mit Gorona del Viento 28,8 Millionen Euro mehr gekostet hat, als bei weiterer Versorgung der Insel mit dem Dieselkraftwerk Los Llanos allein.

Auch wenn dem die Entlastung der Umwelt entgegengestellt werden muss, dürfen die Kosten nicht aus den Augen verloren werden, zumal in den nächsten Jahren der Kauf von Elektroautos auf El Hierro von der Inselregierung mit 7.000 bis 10.000 Euro subventioniert werden soll, was den allgemeinen Elektroenergieverbrauch weiter erhöhen dürfte. Um Alternativen zur Senkung des Energieverbrauchs wird man auch hier nicht herumkommen, weil auch erneuerbare Energie ihren Preis hat.