Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030

 

Weshalb die Kanarischen Inseln und ihr Wirtschaftsmodell nicht nachhaltig seien, dazu veröffentlicht heute der kanarische Fernsehsender RTVC eine Betrachtung von Sául García Crespo …

Die im September 2015 von allen Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen verabschiedete Agenda 2030 benennt die 17 globalen Nachhaltigkeitsziele:

  1. keine Armut
  2. kein Hunger
  3. Gesundheit und Wohlergehen
  4. hochwertige Bildung
  5. Geschlechtergleichheit
  6. sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen
  7. bezahlbare und saubere Energie
  8. menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum
  9. Industrie, Innovation und Infrastruktur
  10. weniger Ungleichheiten
  11. nachhaltige Städte und Gemeinden
  12. nachhaltige/r Konsum und Produktion
  13. Maßnahmen zum Klimaschutz
  14. Leben unter Wasser
  15. Leben auf dem Land
  16. Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen
  17. Partnerschaften zur Erreichung der Ziele

In seiner Betrachtung geht der Autor davon aus, dass die Krise durch das Coronavirus auf den Kanarischen Inseln deutlich gemacht habe, was bereits eine unbequeme Wahrheit gewesen sei: dass das Modell der Kanarischen Inseln, wenn es an den Parametern der globalen Nachhaltigkeitsziele gemessen werde, unhaltbar sei.

Der Archipel erfülle die Umweltziele nicht. Seine Treibhausgasemissionen seien zwischen 1990 und 2015 um 46 Prozent, dreißig Punkte mehr als im spanischen Durchschnitt, gestiegen. Diese Zahl sei durch das Wachstum der Touristenzahl begünstigt worden. Im Jahr 1990 habe das Angebot an Plätzen 364.000 betragen und heute seien es 430.000 plus einer unbestimmten Anzahl ungeregelter Plätze. Im Jahr 1996 seien acht Millionen Touristen gekommen, im letzten Jahr seien es mehr als 13 Millionen gewesen.

Alternative Energien erreichten keine zehn Prozent Durchdringung, während der Staat weiterhin die Energieerzeugung mit mehr als einer Milliarde pro Jahr aus fossilen Brennstoffen subventioniere.

Die Herausforderung für das Jahr 2030 bestand darin, die CO2-Emissionen gegenüber 1990 um 40 Prozent zu reduzieren, aber sie seien bisher nicht nur nicht reduziert worden, sondern hätten sogar zugenommen. Auf den Inseln gäbe es 779 Fahrzeuge pro tausend Einwohner, mehr Autos als Menschen mit Führerschein.

Es blieben nur noch zehn Jahre, um einen Weg abzuschließen, der in den letzten dreißig Jahren zurückgelegt worden sei. 36 Prozent der Bevölkerung seien von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht, so der jüngste Bericht El estado de la pobreza, der vom Europäischen Netzwerk zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung auf den Kanarischen Inseln erstellt wurde.

Im Februar, vor dem Coronavirus, sei die Arbeitslosigkeit auf mehr als 200.000 Personen angestiegen, etwa zehn Prozent der Gesamtbevölkerung, mit einem Beschäftigungsgrad von über achtzig Prozent im Tourismus. Im Jahr 2007 habe es 318.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze im Tourismussektor für neun Millionen Touristen gegeben, und zehn Jahre später, mit sechs Millionen mehr Touristen, sei die Zahl der Arbeitsplätze gleich geblieben.

Der ökologische Fußabdruck der Kanarischen Inseln, die Auswirkung auf die Natur, sei 27 Mal größer als die Kapazität ihres Territoriums. Wenn die Kanaren nur das verbrauchen würden, was sie erzeugen, hätten sie am 14. Januar eines jeden Jahres keine Ressourcen mehr für ihre Bevölkerung. Es gäbe kaum Industrie und alles werde importiert: Fahrzeuge, Energie, Touristen und Lebensmittel.

Der Bericht Huella Ecológica y Sostenibilidad Territorial (Ökologischer Fußabdruck und territoriale Nachhaltigkeit) der Asociación de Geógrafos Españoles habe vor neun Jahren davor gewarnt, dass die Selbstversorgung kleiner Inseln ernsthafte Schwierigkeiten mit sich bringe und die Optionen für eine nachhaltige Entwicklung angesichts ihrer ökologischen Grenzen sehr knapp seien. Die Verwundbarkeit der Kanarischen Inseln manifestiere sich in ihrer geringen Biokapazität für die Produktion, einer ausgeprägten Abhängigkeit von externen Faktoren, wie das starke ökologische Defizit in Verbindung mit einer kleinen Fläche und einer hohen Bevölkerungsdichte zeige. Diese Probleme seien auf den Inseln Teneriffa und Gran Canaria besonders deutlich.

Der Minister für den ökologischen Übergang, den Kampf gegen den Klimawandel und die Raumordnung der kanarischen Regierung, José Antonio Valbuena, habe im Februar erklärt, dass die Kanarischen Inseln danach strebten, ein neutrales Territorium in Bezug auf ihren Kohlenstoff-Fußabdruck zu sein, und habe hinzugefügt: „Heute vorzuschlagen, dass die Kanarischen Inseln auf den Tourismus verzichten sollen, ein Wechsel des Wirtschaftsmodells, um sich an die Spitze des Kampfes gegen den Klimawandel zu setzen, würde bedeuten, größere Probleme sozialer Art und ein Wirtschaftsmodell zu erschaffen, das wir derzeit noch nicht einmal in der Lage sind zu entwerfen. Es ist heute aufgrund der konditionierenden Faktoren und der Abhängigkeitsverhältnisse, die unsere Wirtschaft hat, nicht möglich, auf den Tourismus zu verzichten“.

Das Beispiel Lanzarote. Diese Insel sei zusammen mit Menorca das erste Biosphärenreservat der Welt gewesen, das ein stark bevölkertes Gebiet umfasste, und sei aufgrund seines Engagements zur Reduzierung der Bettenzahl im Inselplan von 1991 ausgewählt worden.

Auf den Kanarischen Inseln sei es der paradigmatische Fall einer möglichen nachhaltigen Entwicklung, aber die Bilanz seiner Entwicklung in den 25 Jahren seit seiner Erklärung sei verheerend.

Es habe mehr als doppelt so viele Einwohner wie damals, empfange drei Millionen Touristen, ebenfalls mehr als doppelt so viele, habe dreimal so viele Fahrzeuge und 40 Prozent mehr Touristenorte.

Seine CO2-Emissionen in die Atmosphäre habe damals 410.074 Tonnen pro Jahr betragen und im Jahr 2018 seien es 1.163.469 Tonnen gewesen, also fast das Dreifache. Der Stromverbrauch sei um 167 Prozent gestiegen.

Das wissenschaftliche Komitee des Biosphärenreservats von Lanzarote habe im April eine Erklärung herausgegeben, in der es auf die Notwendigkeit hingewiesen habe, die Wirtschaft der Insel umzugestalten, die in dieser Krise ihre fast vollständige Abhängigkeit vom Tourismussektor gezeigt habe.

Eines der Mitglieder dieses Komitees sei José Manuel Naredo, Träger des Nationalen Umweltpreises, der anlässlich des 25-jährigen Jubiläums in einem Dokument über das Reservat reflektiert habe, dass diese Entwicklung sowohl nach oben als auch nach unten vom bloßen Puls der wirtschaftlichen Situation im Allgemeinen und des Immobilien- und Tourismussektors im Besonderen bestimmt worden sei. Dies stelle die eigentliche Daseinsberechtigung des Status eines Biosphärenreservats auf Lanzarote infrage, das seine eigenen Managementrichtlinien und Trends entsprechend der Qualität und Tragfähigkeit des Inselgebiets festlegen solle.


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