Wolkenloch

Hat Teneriffa ein Wolkenschutzschild? Zumindest schien es am heutigen Nachmittag so …

Das Satellitenbild von Sat24.com, das den aktuellen Wolkenstand über den Kanarischen Inseln auch auf unserer Wetter-Seite anzeigt, war schon kurios: Teneriffa befand sich in einem fast kreisrunden Wolkenloch, das über Stunden standhielt. Vor allem im Norden stauten sich die Wolken an einer imaginären Kreislinie, die kein Durchlassen möglich machte. Alle anderen Inseln hatten wenigstens Wolkenberührung. Fuerteventura und Lanzarote stauten gar selbst die Wolken an, sodass sie dort nicht weiter in den Süden kamen. Also eigentlich ein typisches Bild – außer bei Teneriffa. Was mag wohl den Wolkenzug aufgehalten haben?

Nun bin ich kein Meteorologe. Allerdings erfuhr ich von den Kanarischen Inseln erstmals über den Wetterbericht. Gedanklich klingt mir noch so etwas wie Kanarentief im Ohr. Irgendwann schaute ich dann auch mal auf die Karte, wo denn diese ominösen Kanaren liegen. Irgendwie war ich damals doch berührt, dass diese winzigen Punkte im Atlantik, nahe der Nordwestküste Afrikas, solch eine Bedeutung für das Wetter in Deutschland haben sollten. Ich hatte ja keine Ahnung – und das hat sich bis heute kaum geändert. Auch wenn mein Aufenthalt auf einer dieser Inseln, Teneriffa, die Zehnjahresmarke bereits überschritten hat, so weiß ich doch noch recht wenig über diese Wetterküche Kanarische Inseln.



Vielleicht sollte ich mich diesem Thema mal etwas genauer zuwenden. Bisher beschränkt sich mein Wissen eher auf das hier Erlebte: viel Sonne, gemäßigte Temperaturen (wenn nicht gerade Calima angesagt ist), fast immer Passatwind aus Nordost (auch der wird zuweilen durch den Calima gestört) und – Sie ahnen es bereits – heißer, staubiger Wind aus der Sahara, auch Calima genannt. Auf Teneriffa und den anderen bergigen Inseln spricht man darüber hinaus auch noch von Klimazonen, die sowohl von der Himmelsrichtung als auch von der Höhenlage unterschieden werden. Da reichen oft wenige Kilometer, um sich in einem völlig anderen Wetter wiederzufinden. Das macht es zwar spannend, empfiehlt aber zuweilen auch, auf entsprechende Kleidung zu achten.

Als ich noch in San Isidro wohnte, da befanden sich unter unserem Fenster zwei gegenüberliegende Bushaltestellen. An der einen kamen die Busse aus El Médano mit sonnenverwöhnten Strandurlaubern an, die andere zeigte sich eher mit Bergbewohnern und Wanderern, die noch wissen, was eine Jacke Wert sein kann. Natürlich waren die Wetterunterschiede nicht immer so krass, aber ich habe noch ein Bild vor Augen, wie eine Gruppe badelustiger Halbnackter, die wohl gerade vom Strand in El Médano kamen, auf einige eingemummte Figuren trafen, die aus dem Gegenbus ausstiegen. Ein Bild für die Götter! Oder auch ein anderes Bild: Als ich gerade von El Médano nach San Isidro aufbrechen wollte, kam mir ein Auto entgegen, auf dessen Kühlerhaube ein kleiner Schneemann thronte. Ohne Quatsch! An diesem Tag war der Teide verschneit und es hatte sich jemand den Spaß gemacht, einen Schneemann zu bauen und ihn aufs Auto zusetzen. In circa einer Stunde schafft man es von den Gipfeln Teneriffas bis zum Strand – wenn man nicht von der Polizei aufgehalten wird. Aber die Polizisten sind hier so einiges gewöhnt und drücken zuweilen auch mal ein Auge zu. Auf jeden Fall hatte dieser Schneemann den Küstenort erreicht, auch wenn er wohl schon etwas geschrumpft war. Und hier lag die Temperatur bei knapp über 20 °C. Auch dieses Bild wird bei mir wohl kaum in Vergessenheit geraten.



Aber eigentlich waren ja die Wolken das Thema. Oder doch das Wetter? Darüber kann man zumindest fast immer sprechen. Ich werde mich wohl doch noch etwas stärker mit den Grundlagen befassen müssen, zumindest was das Kanarenwetter angeht. Dann finde ich vielleicht auch heraus, wie dieses Wolkenloch entstanden ist und wodurch es sich so lange gehalten hat. Oder kann eine Leserin oder ein Leser eine schlüssige Antwort geben? Es würde mich freuen. Dann könnten wir auch gleich die Kommentarfunktion dieses Blogs in der Praxis testen.

Euch und Ihnen sonnige Grüße
und ein schönes Wochenende

von Arturo aus Teneriffa